Nationalsozialismus allgemein : Hitlers Volksstaat

Hitlers Volksstaat

EUR 9,95


Im sechzigsten Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist an neuer (Forschungs-)Literatur über das Dritte Reich gewiss kein Mangel. Hitlers Volksstaat jedoch gehört zweifelsfrei zu den beachtenswertesten historischen Arbeiten dieses Jahres! Den Deutschen, so Aly, ging es in diesem Krieg -- vom Ende freilich abgesehen -- besser denn je. Deutschland wird dann am größten sein, wenn seine ärmsten seine treuesten Bürger sind, wusste der Führer. Und deshalb wurde das Volk mit Wohltaten gezielt korrumpiert -- auf Kosten des enteigneten Judentums und der geplünderten Völker in den besetzten Gebieten. Schmuck, Gold und Waren aller Art wurden von dort im großen Stil zur Hebung der Moral an die Heimatfront verbracht. Auch die Soldaten durften sich in der Fremde billig eindecken und an ihren Einsatzorten billig einkaufen: Selbst noch während der extrem unwirtlichen Monate Januar, Februar und März 1943 schafften es die Soldaten nach der Statistik des zuständigen Feldpostamtes, von der Leningradfront mehr als drei Millionen Feldpostpäckchen in die Heimat zu schicken -- gefüllt mit Beutestücken, Schnäppchen und überschüssigen Lebensmittelzuteilungen. Und allein im besetzten Frankreich summierten sich die aufgrund des wie überall zum Vorteil der Reichsmark festgesetzten Wechselkurses ausgesprochen günstigen Privateinkäufe der deutschen Besatzer auf 125 Millionen Reichsmark, was laut Aly den Wertverlust des Franc eingerechnet mehr als einer halben Milliarde Euro entspricht. Von all dem, aber auch von mancher anderen Wohltat für die Nutznießer des NS-Sozialstaats, für die die Völker des geplünderten Europas im wahrsten und im übertragenen Sinne bluten mussten, berichtet Götz Aly kenntnisreich und gut belegt. Eine äußerst erhellende Lektüre! -- Andreas Vierecke

Heilsame Schrift zur Diagnose eines Traumas - Zusammenschau ist wichtig und trotzdem Einzelheiten zu bringen, an Einzelheiten das ganze Faszinosum dieses nazionalen Sozialismus festzumachen, das ist wahrhaft spannend.Denn, wie die Spannung das eigentliche Element gewesen sein mag, dieses Aufbrechen aus dem Alten, dem Spießerischen, hinein in eine geträumte Freiheit, in eine quasi spätpubertäre rauschhafte Beweglichkeit, die sie ja auch Bewegung nannten, das ist es, was antrieb.Und wie alles gerade in Deutschland, dem perfekten Land in der Mitte Europas, geschehen konnte, ja das konnte man bald sehen und fühlen (auch heute?).Wir hier in der Mitte Europas, eigentlich die Tapfersten, die Besten gegen eine Übermacht, aber leider sieglos zum Schluss des ersten Weltkrieges (obwohl mathematisch schon damals wahrscheinlich vorher- oder zumindest einsehbar), wir werden es der Welt zeigen.Das war die Botschaft (das sang man später auch) und derjenige, der es zumindest als Führer einer neuen Nation zuwegebringen sollte, den Ausweg nämlich aus der gedachten und auch erfühlten Misere, der war ja schließlich ein Zögling des deutschen Militärs.Nirgends fand er so freundlichen Unterschlupf als hier in einer Umgebung, die ihm eigentlich von Natur aus nicht vorrangig zustand.Aber, wie es die Natur manchmal zuwege bringt, hat er sich eingebracht und er fand als Suchender Zuhörer.Das ist eigentlich schon fast alles, denn wir wissen, wie es weiterging, wie er begeisterte und man ihm zugrölte und zuwarf die weiße winkende Hand und ihn zu einem Deutschen machte, nämlich in Braunschweig.Daß sich Militär und Wirtschaft, Politik und Vertrauensleute gerade auch aus höhrer Schicht sich ihn aussuchten, das spricht Bände.Daß keiner oder nur selten jemand wirklich laut lachte, als er mit Motorradkappe erschien wie ein Clown auf einer imaginären Bühne und dabei seltsam süßsauer lachte (dabei war die Bühne reell) und man ihm Flugzeuge und schicke Autos zur Verfügung stellte, das spricht ebenfalls Bände. Und daß das Ausland zusah und sich vielleicht Gedanken machte, vielleicht auch, mit diesem Schauspieler leicht fertig zu werden, das wurde etwas später bestraft. Da sah er dann aus, als stünde er über allem und lachte nur der Gefahr, einer Gefahr, der er ja auch zigmal entkommen ist.Es gab seinerzeit in Europa eine Aufbruchstimmung und Spanien und Italien, auch Frankreich spielten mit einem nationalen Sozialismus, doch nirgends wurde der Rassismus derart vorangetrieben wie hier in Deutschland, vielleicht noch in Österreich.Götz Aly nun hat anhand vieler Beispiele gezeigt und er untermauert es, wie Berufsbeamten, Finanziers, das Militär und vor allem die damals als jugendlich zu bezeichnenden Politiker das Werk eines revolutionär sich gebenden Staates ausführen. Sie taten es auf Teufelkommraus und sie zogen tatkräftig mit einem wilden Aktionismus alles mit sich hinein in einen Strudel der Leidenschaften.Es gibt einen Roman, Kaputt von Curzio Malaparte, der beschreibt diese wilde Zeit ziemlich verblüffend und erschütternd und es gibt Tagebücher wie das von Goebbels, es gibt auch ein Buch, das heißt Mein Kampf und ich meine als Jugendlicher darin gelesen zu haben, daß irgendeinmal ein Staat weit nach seinem Tode das vollenden wird, was ihm nicht gelingen sollte. Es ist höchste Zeit also Mein Kampf im Original einem jeden von uns zugänglich zu machen, damit endlich einmal damit aufgeräumt wird, die Leute hätten ja davon garnichts gewußt.Derartige Bücher, wie dieses über den Volksstaat mit seinen schillernden und zugleich unglaublich brutalen Methoden, sind Aufklärung pur.

Unentbehrlich! - Im Gegensatz zu den vielen Wälzern, die an dem Wesentlichen und zugleich äußerst Verwundernden der Jahren 1932-1945 in Deutschland glatt vorbeischreiben, stellt dieses Buch die einfache Frage: Wie hätte das geschehen können? und trägt dann erheblich zur Beantwortung derselben bei. Für solche, die die Ereignisse der Nazizeit und des zweiten Weltkriegs nicht nur kennen, sondern auch verstehen möchten, ist das Buch unentbehrlich.

Vielen Dank für dieses Sachbuch - Vielen Dank für dieses Sachbuch!Ich gehöre zur sogenannten Generation der Nachgeborenen und bin als historisch einigermaßen interessierter Mensch wenigstens in groben Zügen mit den Fakten und Daten des Dritten Reiches vertraut. Ich konnte allerdings rein gefühlsmäßig nie verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass gerade wir Deutschen die nazionalsozialistische Barbarei zugelassen haben, dass das Volk der Dichter und Denker moralisch überhaupt so tief sinken konnte. Das Buch von Götz Aly schließt hier eine echte Lücke und dafür bin ich dankbar. Denn es behandelt weniger die große Geschichte, die sich mit den zentralen Persönlichkeiten des NS-Regimes, den Eckdaten der Machtergreifung und des Kriegsverlaufes befasst, sondern es geht dem Autor um etwas ganz anderes – nämlich, um die nationale Euphorie, die die Nationalsozialisten bei einem Gutteil der Bevölkerung, dank einfacher wie perfider Rezepte, entfachen konnten. Das deutsche Selbstwertgefühl - unbestritten eine der wichtigsten Kulturnationen Europas - lag nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und der Schmach des Versailler Vertrages am Boden. Viele empfanden die restriktiven Regelungen des Friedensvertrag als ungerecht und konnten sich nie mit der aufgezwungenen und alles andere als wehrhaften Weimarer Demokratie identifizieren. Die Nationalsozialisten schafften es, diese diffusen Gefühle für ihre Zwecke auszunutzen. Wie diabolisch verführerisch Hitlers Volksstaat, wie verlockend die nationalsozialistische Rassenideologie für die Menschen tatsächlich war, das habe ich durch die Lektüre von Alys sehr gutem und bestens recheriertem Buch nun eher begriffen. Immerhin schafften es das Regime ein Gutteil seiner Versprechungen (auf Kosten anderer) wahr zu machen. Und nun stellt sich mir die Frage, ob sich so etwas in unserer aufgeklärten Zeit eventuell wiederholen könnte. War ich einst vollkommen vom NIEMALS WIEDER überzeugt, bin ich mir heute nicht mehr ganz so sicher. Genau deshalb sind solche Bücher wie Hitlers Volksstaat so wichtig, denn sie zeigen uns auf, mit welchen Mitteln es gelingen konnte, in einem ganzen Volk eine destruktive nationalistische Stimmung zu erzeugen - und nur mit diesem Wissen kann auch in Zukunft ähnlich schlimmes verhindert werden.

Schlüssel zum Schloß Nationalsozialismus - Kurz nach dem Krieg geboren waren Schulunterricht, Zeitungslektüre, Gespräche mit Leuten, die das dritte Reich erlebt hatten und ganz besonders die willkürlichen kommunistischen Thesen aus der Blütezeit des Stalinismus (der Faschismus ist eine Folge des Kapitalismus), die während der 68er-Zeiten aufgewärmt wurden, keine Basis für ein schlüssiges Bild des dritten Reichs. Nachdem ich nun Götz Alys Buch Hitlers Volksstaat gelesen hatte, paßte alles plötzlich zusammen: die vielen Äußerungen kleiner Leute, die mir aus der Zeit nach dem Krieg in Erinnerung geblieben sind (war nicht alles schlecht, es ging aufwärts, Arbeitsplätze!!), der Judenmord, der offenbar primär eine zweckrationale wirtschaftliche Maßnahme der nationalsozialistischen Ostpolitik war und kein Exzess wutschäumender rassistischer Wahnsinniger, die nach Judenblut verlangten, und manche Merkwürdigkeiten des modernen deutschen Sozialstaats (Ehegattensplitting, Ruf nach hoher Besteuerung (Bestrafung) der Spitzenverdiener etc.). Jetzt ist mir auch die Kontinuität deutscher Geschichte bzw. Sozialpolitik klar geworden. Und so tragen wir heute noch psychologisch und ökonomisch an den Folgen der Hitlerschen Gefälligkeitsdiktatur (derzeitige Krise!). Wunderschöne terminologische Beispiele für Hitlers Volksstaat sind Oscar Lafontaines Fremdarbeiter und Franz Münteferings Heuschrecken.

Historisches meisterhaft aufgearbeitet - Der Autor dieses Buches, Götz Aly, ist Historiker und Journalist sowie Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen. Er berichtet über einen Aspekt des Dritten Reichesder in der in der geschichtlichen Untersuchung in den letzten Jahren eher vernachlässigt wurde. Mit welch en Mitteln sind die Menschen in den nationalsozialistischen Staat integriert worden, was hat sie so lange zufrieden gemacht oder zu mindestens ruhig gestellt? Den Deutschen ging es in dieser Zeit des Nationalsozialismus besser denn je. Man muss sich einmal vorstellen, allein wie integrativ eine Rentenerhöhung von 15% im Jahre 1941 gewirkt hat, mitten im Krieg, auf Kosten von Millionen Zwangsarbeitern, die in die Sozialversicherungssysteme einbezahlt haben. Mit diesen und ähnlichen Wohltaten hat man das Volk moralisch bestochen.Im ersten Teil des Buches entwickelt der Autor den zentralen Begriff einer Gefälligkeitsdiktatur, das heißt er betrachtet den nationalsozialistischen Staat aus einer Perspektive in der er sich als Gefälligkeitsdiktatur zeigt. Er entwickelt damit die zentrale These, dass es eben nicht vorrangig Repression und Terror waren, die die Deutschen ermutigt hat mitzumachen, sondern er sagt an einer anderen Stelle später, die Deutschen waren Nutznießer und „Nutznießerchen. Er sieht diese Tatsache als komplementäres Element der Wahrheitsfindung von hohem Gewicht, das bisher in der Forschung vernachlässigt worden ist. Herr Aly spricht nicht vom Nationalsozialismus sondern vom nationalen Sozialismus. Wie sozialstaatlich war eigentlich der Nationalsozialismus? Das sozialistische Konzept in seiner ursprünglichen Form ist ein internationalistisches. Es beruht auf der Auseinandersetzung von Kapital und Arbeit. Das historisch tragische ist, dass ein Teil dieses Konzeptes von der NSDAP übernommen wurde und dass dazu die ethnische Homogenisierung gemischt wurde. In dieser Mischung haben sich soziale und sozialistische Ideen relativ gut behauptet. Das System, das haben Studien zur Finanzpolitik klar ergeben, basierte von 1934 an auf reiner Verschuldungsbasis. Der Krieg stand so zu sagen als „Finanzierungsmittel auf der einen Seite von Anfang an am Horizont, auf der anderen Seite die Judenvernichtung und die damit einhergehende Enteignung. Man hat immer viel mehr Geld ausgegeben als eingenommen werden konnte. Das hat sich dann auch günstig für die breite Masse des Volkes ausgewirkt.Darüber hin aus hat man zwischen 1933 und 1940 trotz Rüstungsboom und anwachsender Staatsausgaben die Steuern nicht erhöht. Darüber hinaus hat man die Pfändungstitel gestoppt. Das war für viele Menschen, die durch die Weltwirtschaftskrise in Not und Verschuldung geraten waren, von großer Wichtigkeit.Das Konzept der in der Anfangsphase propagierten Volksgemeinschaft funktionierte natürlich nur mit einem Gegenkonzept, nämlich der negativen Integration, also der ‚Ausgrenzung von klar definierten Gruppen. Darüber hinaus hat der Nationalsozialismus ein hohes Maß an sozialer Mobilität und Klassenvermischung im Inneren durchgesetzt.Die vom Autor zitierte Nutznießerschaft bezieht sich auf die Phase des Krieges. Da gibt es Phänomene über die bis heute wenig geschrieben worden ist. Unter der Kapitelüberschrift „Hitlers zufriedene Räuber werden die Deutschen hart zu Gericht genommen, denn alle haben in irgendeiner Form profitiert, und so betrachtet verwandelte die NS-Führung die Deutschen mehrheitlich nicht zu überzeugten Herrenmenschen und bedingungslosen Fanatikern sondern zu willigen Nutznießern.Die deutsche Volksgemeinschaft, die sicher auch in dieser Konsolidierungsphase am Anfang der NS Zeit sozial psychologisch hervorgebracht worden ist, hätte sicher lieber gesehen, wenn ihr die anschließenden Anstrengungen, Zumutungen und bitteren Verluste, selbst bei einem siegreiche ersten Teil des Krieges, erspart geblieben wären.Dieses Buch erhellt in ausgezeichneter Form die Zeit des Nationalsozialismus. Beieindrucken ist die umwerfende Sachkenntnis des Autors.




Hitlers Volksstaat